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Saturday, 21 September 2019
 

Offener Brief an die BIBS 10.07.2008
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Written by Bürgerinitiative Innenhof Braunschweig
Sunday, 26 April 2009

Braunschweig, 10.07..2008

Bürgerinitiative für den Erhalt des Innenhofs Nussbergstrasse


Offener Brief An die BIBS Ratsfraktion: Geschäftsstelle Rathaus Braunschweig, Zimmer 1A.57

 

Sehr geehrter Herr Frank Gundel,

ihr Schreiben vom 18. Juni 08 stellt für die Bürgerinitiative eine große Enttäuschung dar. Im Einzelnen:

 

Natürlich kann man den Standpunkt einnehmen, dass diese Nachverdichtung im Innenhof des Karrees wünschenswert ist. Wir können nicht nachvollziehen, dass Sie meinen, diese Bebauung hätte eine hohe Durchlässigkeit. Wir meinen, dass es sich um ein historisch gewachsenes Ensemble handelt, auf das die wichtige Sichtachse von der Allee herunter vom Nussberg führt. Die umliegende Gründerzeitbebauung verträgt unserer Meinung nach keine vier Betonklötze mit Flachdach, die als Stadtvillen bezeichnet werden. Wir haben allen Parteien umfangreiches statistisches Material geschickt, in dem wir die Bautätigkeit in den verschiedenen Segmenten (z. B. Stadtvillen) mit Zahlen belegt haben. Wir haben dargelegt, dass man allein im Segment Stadtvillen zurzeit 532 Einheiten erwerben kann, im Segment Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser 2488 Einheiten; im Segment Eigentumswohnungen in Mehrfamilienhäusern 1488 Einheiten erwerben kann. Wenn laut Statistik des Katasteramtes im Segment Eigentumserwerb gerade mal 305 getätigte Kaufverträge jährlich für Neuerwerb von Eigentumswohnungen aufgeführt sind, kann man erkennen, dass diese Nachverdichtung nicht erforderlich ist. Wir meinen, diese Investorenpolitik wird zum Leerstand von morgen in anderen Stadtvierteln führen. Es handelt sich nicht um sozialen Wohnungsbau, bei angedachten Verkaufpreisen von ca. 2200€ pro Quadratmeter um reine Profitmaximierung für den Investor Wiederaufbau. Nachhaltige Stadtentwicklung beginnt im Quartier.

 

Sie schreiben: Ziel muss es sein, zwischen den verschiedenen Interessen einen Kompromiss zu finden.“ Im Moment sieht es allerdings so aus, dass die Investoren von der Wiederaufbau die Stadtentwicklung übernehmen. Die Investoren wollen unbedingt eine Gebäudehöhe bis 14,20m  durchsetzen. Die Grenzabstände führen dazu, dass es Verschattungen geben wird. Zur Frage der Kleinteiligkeit der Bebauung hat sich die BIBS bisher nicht geäußert. Ein Standpunkt unserer Bürgerinitiative ist, wenn der Bau schon nicht zu verhindern ist, dürfte höchstens eine Bauart realisiert werden, wie man sie sonst im östlichen Ringgebiet vorfindet. Das bedeutet: Höchstens eine zweigeschossige Bauweise mit ausgebautem Dach.

 

Im Bau- und Umweltausschuss am 25. Juni hat die BIBS geschwiegen und unserer Meinung nach nicht kritisch hinterfragt, wieso man unbedingt jetzt schon einen Grundsatzbeschluss fällen muss.

 

Ihre Ausführungen zur Bebauungsdichte sieht die Bürgerinitiative deutlich anders, wir hätten uns gewünscht, dass die Politiker sich für eine deutlich geringere Geschossflächenzahl aussprechen.

 

Sie vermuten, dass Verschattungen der einzelnen Wohnungen weitgehend ausgeschlossen werden, diese Annahme ist für uns durch nichts belegt. Vielmehr haben wir für die Erdgeschosswohnungen an der Herzogin-Elisabeth-Straße durchschnittlich zwei Stunden weniger Sonnenlicht täglich berechnet. Natürlich kann man den Standpunkt einnehmen, dies sei alles nicht so schlimm. Ihre Ausführung, dass dieses Vorhaben der Investoren kein Präzedenzfall sei, können wir überhaupt nicht nachvollziehen. In zahlreichen Publikationen haben wir darauf hingewiesen, dass die Bauverwaltung zurzeit einen aggressiven Kurs der Bebauung (Nachverdichtung) führt und dass ohne Rücksicht auf die tatsächliche Parkraumsituation Bauflächen neu ausgewiesen werden. Unter der rot-grünen Ratsmehrheit sollten Grünflächen in den Hinterhöfen geschaffen werden. Selbst Angehörige der Bauverwaltung haben den Entwurf des Bebauungsplans als Modellprojekt für weitere Nachverdichtungen im Stadtbezirksrat vorgestellt.

 

Den Hinweis, dass viele Bürgerinnen und Bürger in diesem schönen Stadtteil wohnen möchten, empfinden wir als Polemik. Wir selbst wissen dies, wir sind nicht gegen Bebauung von Baulücken oder das Ausweisen von zusätzlichen Bauflächen. Auch dazu haben wir uns schriftlich geäußert.

 

Ihre Anmerkung: „Eine einseitige Ausrichtung auf die Sicherung des PKW-Verkehrs können wir nicht befürworten.“ Gerade deshalb müssten Sie für unser Konzept eintreten, dass eine Nachverdichtung nur sozial verträglich vorgenommen werden sollte. Es werden über 80 Parkplätze vernichtet. Leider hat die BIBS auch zur Schönfärberei geschwiegen, dass der Investor voraussichtlich 83 Parkplätze neu zur Verfügung stellt. In einem offenen Brief haben wir diese Augenwischerei allen Fraktionen vor der Sitzung am 25. Juni dargelegt. Bei angedachten 28 Wohnungen in diesem Luxussegment werden sicherlich pro Wohnung eher 2 Stellplätze belegt. Auf dem Gelände sind zurzeit mehr als 60 Stellplätze vorhanden, dies lässt sich anhand unserer Bestandszeichnungen belegen. Der Trick hierbei ist, dass ab einem bestimmten Datum die Verwaltung angefangen hat, die vermieteten Plätze zu zählen. Auch dazu hat die BIBS geschwiegen.

 

Die Fotos der vorgestellten Modelle sowie das Architekturmodell zum Bebauungsplanentwurfes sind aus Sicht der Bürgerinitiative verniedlicht dargestellt. Die Fotos erwecken den Eindruck, als ob die neuen Gebäude sechs Meter unter der vorhandenen Traufkante enden. Der Text spricht eine andere Sprache: Geplante Höhe bis zu 14,20m

 

Wir von der Bürgerinitiative für den Erhalt des Innenhofes Nußbergstraße hätten uns gerade von der BIBS-Fraktion eine kritische Auseinandersetzung mit den Belangen einer Bürgerinitiative gewünscht.

 

In der Hoffnung, dass Standpunkte auch Gehpunkte sind, verbleiben wir mit freundlichen Grüßen.

 

 

Bernd Müller, Husarenstraße 49, Tel: 7 11 76

Jan-Gerd Müller, Nussbergstraße 26, Tel: 7 21 88

Christian Schöne, Husarenstraße 49, Tel: 35 66 291


Last updated ( Sunday, 10 May 2009 )
 

 
      
 
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