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Friday, 15 November 2019
 

Positionspapier zur Ausrichtung der Braunschweiger Wohnungspolitik
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Written by Bürgerinitiative Innenhof Braunschweig
Wednesday, 06 May 2009

 

Stadt Braunschweig

TOP

Der Oberbürgermeister

FB Stadtplanung und Umweltschutz

61.11 -F 1

Drucksache

10034/09

Datum

26. März 09

Mitteilung

Beteiligte FB /Referate /Abteilungen

FB 20

Beratungsfolge

Sitzung

Tag

Ö

N

Planungs- und Umweltausschuss

29. April 09

X

 

 

 

Oberschrift, Sachverhalt

 

Positionspapier zur Ausrichtung der Braunschweiger Wohnbaupolitik

Die in letzter Zeit öffentliche und politisch verstärkt geführte Diskussion über die Sinnhaftig­keit der Ausweisung weiterer Wohnbaugebiete lässt es sinnvoll erscheinen, im Folgenden die grundsätzlichen Positionen der Stadt Braunschweig im Zusammenhang darzulegen.

Umkehr der negativen Bevölkerungsbilanz

Eine offensive Baulandpolitik ist kein Selbstzweck. Es ist eine der wichtigsten Aufgabe einer jeden Stadt, bedarfsgerechten Wohnraum für unterschiedliche Ansprüche bereitzustellen.

Die Stadt Braunschweig konnte in den vergangenen Jahren durch eine offensive Baulandpoli­tik die Wanderungsverluste der 90er Jahre von im Durchschnitt nahezu 2.000 Einwohnern jährlich hinter sich lassen und diese Negativentwicklung umkehren-. Seit 2001 verzeichnet Braunschweig wieder Wanderungsgewinne, in den vergangenen Jahren sogar im oberen dreistelligen Bereich.

Bewertung der Wanderungsgewinne

Diese Wanderungsgewinne sind in verschiedener Hinsicht wesentlich für eine weitere positi­ve Entwicklung der Stadt Braunschweig.

So gibt es für jeden Einwohner Zuweisungen von Bund und Land, aus denen die Stadt Aus­gaben für die Bürger bestreiten kann. Durchschnittlich erhält die Stadt Braunschweig aus Fi­nanzausgleich und Einkommensteueranteil derzeit Zuweisungen von knapp 750 € pro Ein­wohner und Jahr.

Nur bei einer positiven Wanderungsbilanz ist die Stadt Braunschweig in der Lage, oberzen­trale Kultureinrichtungen – wie Theater oder Museen – zu erhalten bzw. weiterzuentwickeln.


Noch wichtiger in der Bewertung des Wanderungsgewinns sind jedoch die weitreichenden in-
direkten wirtschaftlichen Auswirkungen: Mehr Einwohner, das bedeutet auch mehr Kaufkraft
und damit Stärkung der Wirtschaft. Nicht nur der Handel, auch die örtlichen Dienstfeister und
das Handwerk profitieren von einer höheren Einwohnerzahl. Durchschnittlich knapp 5.900 €
gibt jeder Braunschweiger im Jahr in Braunschweig aus, die in in den städtischen Einzelhan-
del und die Wirtschaft fließen und die Prosperität des Standorts insgesamt stärken.

Nicht in Zahlen zu fassen – aber dennoch von großer Wichtigkeit – sind die gesellschaftlichen
Auswirkungen, die sich auf Grund der Demografie ergeben: Bei passiver Baulandpolitik über-
altert die Stadt; die Stadt schrumpft, es wird nicht mehr in dem Maße investiert. Es fehlt an
Geld, an frischen Ideen und Veränderungswillen. Demgegenüber bringt es große Vorteile,
durch eine geeignete städtische Politik darauf hinzuwirken, dass viele junge Menschen und
vor allen Dingen auch junge Familien Braunschweig als Wohnstandort wählen.

Aktive, gut ausgebildete junge Menschen sind nicht nur die Leistungsträger in den örtlichen
Betrieben und Verwaltungen, sie bilden auch das unverzichtbare soziale Rückgrat für die
Stadtgesellschaft insgesamt. Vereine, Hilfsorganisationen und Nachbarschaften im Quartier
sind langfristig ohne junge aktive Menschen und Familien nicht aufrechtzuerhalten. Kurz: Nur
mit jungen Menschen und Familien hat die Stadt Braunschweig eine positive Zukunft.

Aber auch übergeordnete regionalplanerische bzw. raumordnerische Überlegungen sprechen
für eine Konzentration des Wohnungsangebotes im Oberzentrum Braunschweig. Je mehr
Menschen hier wohnen, desto weniger Verkehre entstehen und die damit verbundenen nega-
tiven Umweltauswirkungen bleiben aus – ganz zu schweigen von den höheren Kosten für die
Vorhaltung der technischen Infrastruktur.

Maßnahmen und Strategien

Welche Maßnahme und Strategien der Stadt führten zu dieser positiven Bevölkerungsent-
wicklung? Entscheidend hierfür ist ein Bündel von ineinander greifenden Maßnahmen. Ein
wichtiger Baustein ist die Attraktivierung der Innenstadt, wie sie Braunschweig in den letzten
Jahren eindrucksvoll erfahren hat: Mit Schloss, Quadriga, Schlossplatz und saniertem Bohl-
weg ist ein neuer großstädtischer Stadtraum entstanden. Die Kultureinrichtungen im Schloss
werden hervorragend angenommen. Die Schloss-Arkaden haben einen Investitionsboom von
Einzelhandelsstandorten ausgelöst und Braunschweigs Magnetwirkung gesteigert.

Zahlreiche weitere Straßen- und Platzsanierungen (u. a. Fußgängerzone, Kohlmarkt) und die
Stärkung von Quartieren, etwa die des Friedrich-Wilhelm-Viertels und der Altstadt, haben die
Innenstadt weiter aufgewertet. Stadtmarketing und Einzelhandel sorgen mit attraktiven Ange-
boten regelmäßig für hohe Besucherzahlen. Die beschriebenen großen gestalterischen und
damit verbundenen finanziellen Anstrengungen der Stadt haben nicht nur eine Verbesserung
der Aufenthaltsqualität und der Nutzbarkeit zur Folge, sie stellen auch einen nicht hoch genug
einzuschätzenden Imagegewinn für Braunschweig dar. Viele Menschen, die nach mehreren
Jahren nun wieder nach Braunschweig kommen, erkennen die Innenstadt nicht wieder und
äußern das entsprechend. Für die Braunschweiger Bürgerinnen und Bürger ist das ein
Grund, stolz auf ihre Stadt zu sein. Dies ist mit Sicherheit ein Mitgrund für die Bereitschaft
hierzubleiben bzw. nach Braunschweig zu ziehen.

Zur Attraktivierung haben neben baulichen Maßnahmen in der Innenstadt ganz wesentlich
auch die bundesweiten Aktivitäten der Stadt Braunschweig beigetragen (Kulturhauptstadt,
Stadt der Wissenschaft).

Entscheidend für die positive Entwicklung der Einwohnerzahlen ist natürlich auch die Bereit-
stellung von nachfragegerechten Wohnbaugrundstücken in ausreichender Zahl. Die Stadt
Braunschweig verfolgt hier eine Doppelstrategie: Ausweisung von Wohnbauland in Stadt-
randlagen, wo dies unter Berücksichtigung aller Belange vertretbar ist und Ausweisung von
Wohnbauland in innenstadtnahen Wohnlagen.
 

      3

An den peripheren Standorten sind auch junge Familien mit vergleichbar geringen wirtschaft-
lichen Mitteln durch die Tiefpreisaktion und den großzügigen Kinderrabatt der Stadt in der
Lage, Wohneigentum zu realisieren. So hat es im städtischen Baugebiet Lammer Busch-
West geradezu einen Bauboom gegeben. Fast 300 Baugrundstücke sind dort in Rekordzeit
verkauft worden, ähnlich schnell später die 150 Baugrundstücke Am Steinberg in Broitzem.
Die aktuelle Tiefpreisaktion hat dazu geführt, dass im Baugebiet Lammer Busch-Ost sich wie-
der eine hohe Nachfrage nach Baugrundstücken artikuliert.

In zunehmendem Maße wird von der Stadt Braunschweig aber auch die Aufgabe wahrge-
nommen, attraktiven Wohnraum in der Innenstadt zu schaffen. So gibt es einen Trend, dass
gerade ältere Menschen wieder in die Stadt ziehen wollen, wenn die Kinder aus dem Haus
sind und eine wohnortnahe Versorgung wichtiger wird. Unter dem Stichwort „Neues Wohnen
in Braunschweig" hat das Baudezernat einige sehr attraktive und Aufsehen erregende Projek-
te an den Start gebracht. Dazu gehören z. B. „St. Leonhards Garten" und Projekte an der
Friedrichstraße und Am Botanischen Garten. Neu in Planung sind Wohnprojekte an den bis-
herigen Klinikstandorten „Gliesmaroder Straße" und „Holwedestraße" sowie „Husarenstraße"
und „Gliesmaroder Bad". Allein diese neuen Planungen umfassen über 400 Wohneinheiten.

Mit der Initiative „Neues Wohnen in Braunschweig" soll im Kern stilvolles urbanes Wohnen
möglich gemacht werden. Die neuen innerstädtischen Wohnangebote zeichnen sich durch
eine hohe gestalterische Qualität aus und dadurch, dass bereits im planerischen Entste-
hungsprozess Bauherren und Bauherrengemeinschaften von der Stadt zusammengeführt
und begleitet werden. Hierdurch entstehen auf die jeweiligen Bedürfnisse der Bewohner maß-
geschneiderte Quartiere und Gebäude, die in der Gestaltung aufeinander abgestimmt sind.
Zudem können sich Nachbarschaften schon vor dem Einzug entwickeln.

Diese innenstadtnahen Wohnangebote richten sich auch an Familien. Voraussetzung für die
Akzeptanz dieser innenstadtnahen Baugebiete ist neben dem individuellen Freiraumangebot
das einzigartige städtische urbane Gefüge, das Braunschweig in der Innenstadt oder in den
Gründerzeitquartieren zu bieten hat. Diese Kombination ist konkurrenzlos in der Region.

Fazit

Wanderungsgewinne sind auch in Zukunft essentiell notwendig für die wirtschaftliche und ge-
sellschaftliche Zukunft der Stadt Braunschweig. Hierfür wird die Stadt Braunschweig – wie
schon in den letzten Jahren – mit folgenden geeigneten Maßnahmen und Strategien die Vor-
aussetzungen schaffen:

• Zeitlich begrenzte Tiefpreispolitik für Baugrundstücke
• Attraktivierung der Innenstadt
• Bundesweite Aktivitäten im Kultur- und Wissenschaftsbereich
• aktives Stadtmarketing
• Schaffung von innenstadtnahen attraktiven Wohnangeboten
• Schaffung von peripher gelegenen preisgünstigen Wohnangeboten sowie
• Familienfreundlichkeit

I. V.

gez.

Zwafelink
 

Last updated ( Sunday, 10 May 2009 )
 

 
      
 
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